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Tischtennis
Sommercamp
Tischtennisverband lädt Kinder mit und ohne Behinderung zum Sommercamp

Hochkonzentriert fokussiert Niklas Welp den
Zelluloidball, holt aus und spielt ihn mit einer eleganten und
kraftvollen Vorhand über das Netz. „Sehr gut. Den letzten Ball
ziehst Du dann richtig auf den Punkt durch“ – das prompte Lob
zaubert ein fast unsichtbares Lächeln auf das Gesicht des Schülers,
der Blick bleibt aber fest auf den nächsten Ball gerichtet, den
Tischtennistrainer Daniel Ringleb ihm zuspielt. Balleimertraining
nennt sich diese intensive Übungseinheit, die zur anschließenden
Analyse auf Video aufgezeichnet wird.
Niklas Welp ist einer von 100
Tischtennisspielern, die an einem einwöchigen Sommercamp des
Tischtennis-Verband Niedersachsen (TTVN) in der Akademie des Sports
für Kinder und Jugendliche zwischen acht und 17 Jahren teilgenommen
haben. Der 15-Jährige spielt seit etwa eineinhalb Jahren im Verein
in Osnabrück. Und wer ihn am Tisch so flink und leidenschaftlich
agieren sieht, dem fällt kaum auf, dass er seine linke Körperhälfte
nicht ganz so gezielt einsetzen kann, wie die rechte. Niklas leidet
an einer spastischen Lähmung und ist damit einer von drei
Teilnehmern mit einer Behinderung.
„Wir haben zum ersten Mal Jugendliche mit einer
Behinderung zum Sommercamp eingeladen, und stellen fest, dass sie
sich ganz normal in die Gruppe integrieren“, sagt Projektleiter
Markus Söhngen. Dabei wurde das Tischtennistraining während der
gesamten Woche mit Elementen aus sehr unterschiedlichen Sportarten
ergänzt. Jump Style, Rope Skipping, Kleine Spiele oder verschiedene
Trendsportangebote gehörten zum üblichen Training am Tisch dazu. „Jump
Style und Rope Skipping sind zum Beispiel für die Koordination und
die schnellen Beine sehr wichtig“, weiß Niklas.
Um den Leistungsdruck für die Aktiven mit
Behinderung nicht zu groß werden zu lassen, wird ihnen bei
bestimmten Übungen freigestellt, inwiefern sie teilnehmen wollen. So
zum Beispiel beim Krafttraining, der spielerisch in Form eines
Stationentrainings absolviert wird. Die Sportler werden einer
Vierergruppe zugeordnet und dürfen bei für sie schwierigen Übungen
eine Pause einlegen. Doch weder Niklas Welp, noch Niclas Koitka oder
Dustin Seidel ziehen sich an einer der Stationen zurück. Die drei
sind mindestens so motiviert wie die übrigen Kinder und Jugendlichen
und bemühen sich mit hochrotem Kopf bis zur Atemlosigkeit. „Es ist
zwar anstrengend, aber ich habe es mir noch härter vorgestellt“,
sagt der 17-jährige Dustin Seidel aus Wolfsburg. Vielleicht liegt
das daran, dass er ohne spezielle Erwartungen nach Hannover gekommen
und „offen für alles“ ist, wie er betont. Und auch Niclas Koitka aus
Wallenhorst gesteht: „Man merkt die Anstrengung abends zwar, aber es
lässt sich aushalten.“ Auch bei den Sommercamp Open gaben sich die
drei keine Blöße. Die 100 Kinder und Jugendlichen wurden nach einem
bundesweit eingeführten Tischtennis-Ranking bewertet. Bei der
anschließenden Einteilung in die Wettkampfteams konnte so eine
homogene Aufteilung zwischen Anfängern und Fortgeschrittenen
erreicht werden. Im Turnier traten dann immer nur gleichstarke
Spieler gegeneinander an, was am Ende zählte, war die Leistung des
gesamten Teams. Größen- oder Altersunterschiede bzw. eine
Behinderung spielten dabei keine Rolle.
Verschiedene Bestandteile des Trainingslagers
sind sowohl Niklas, Niclas und Dustin als auch den anderen Kinder
bekannt, lediglich die Ergänzung des Tischtennistrainings durch
andere Sportarten kennen viele in dieser Art noch nicht. Beim
heimischen Training wird hauptsächlich mit Schläger und Ball agiert,
spielerisches Aufwärmen oder Koordinationsübungen kennen die meisten
aber bereits. Neu sind hingegen die vielfältigen Erlebnisse
außerhalb der Hallen. „Die Erfahrungen, die die Kinder in solch
einer Woche sammeln, kann ihnen der Verein in einem Jahr nicht
bieten“, sagt Trainer Benne Lauckmann. Riesenrundlauf, ein
I-Pong-Turnier oder Showtraining mit den bekannten und erfolgreichen
Tischtennisspielern Slobodan Grujic und Niklas Matthias werden
sicher noch lange in den Köpfen der jungen Spieler bleiben. „Am
meisten Spaß hat aber das Tischtennistraining gemacht“, sind sich
Niklas, Niclas und Dustin einig und zeigen stolz ihre Autogramme.
Und Spaß ist schließlich das oberste Gebot des Sommercamps, das 2012
bereits zum zehnten Mal stattfinden wird. Dann sollen möglichst noch
mehr Kinder mit einer Behinderung eine sportliche Woche in Hannover
verbringen.
Heike Werner
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