Zu zweit geht
alles besser. Und wer dieses nicht glaubt, konnte
gestern Abend im GOP-Varieté Hannover beobachten, wie
geteilte Freude auf einmal die doppelte Wirkung
entfaltet. Die Gesichter von Andrea Borrmann und Erik
Machens schwankten zwischen Staunen und Strahlen, als
auf der Gala des Behindertensportverbands Niedersachsen
(BSN) der
Ehrengast Alexander Leipold
ihre beiden Namen als „Behindertensportler
Niedersachsens des Jahres 2011“ nannte.
vorne: Erik Machens,
Andrea Borrmann, hinten: Alexander Leipold und Karl
Finke
Die beiden
Tänzer vom VfL Hannover, die vor 15 Monaten gar
nicht an Wettkampfsport dachten, sind binnen
kürzester Zeit mit Schwung, Stil und Taktgefühl zum
Beispiel und Mutmacher für viele andere Sportler
geworden. „Wir erleben eine Premiere“, sagte
Laudator Leipold. „Ein Paar gewinnt.“ Und bei allem
Respekt für furchtlose Einzelkämpfer, wie es der
Ehrengast aus Unterfranken einst auf der Ringermatte
war, ist Sport doch am schönsten, wenn er mit
Gleichgesinnten oder gar Freunden betrieben werden
kann.
Dabei gilt diese Devise im Behindertensport auf eine
ganz besondere Weise, weil Beispiele wie Borrmann
und Machens, aber auch die Lebensläufe und der
Kampfgeist der übrigen fünf Kandidaten zur Wahl des
Behindertensportlers 2011 vielen Menschen Mut machen
und manchen auf diese Weise erst „in Bewegung
bringen“. Es mag pathetisch geklungen haben, als
BSN-Präsident Karl Finke zur Begrüßung der 280
Ehrengäste an die Adresse der nominierten Athleten
sagte: „Sie ge¬hören zu den Leucht¬türmen des
nie¬dersäch¬si¬schen Be¬hin¬der¬tensports!“ Doch der
Stolz des Präsidenten ist berechtigt, zumal unter
dem Dach des Verbands mittlerweile fast 800 Vereine
Sport für Behinderte anbieten. Und Finke hob auch
hervor, dass die Zusammenarbeit mit dem
Landessportbund Niedersachsen „hervorragend“ ist –
ein weiterer Beleg für den Weg, den der
Behindertensport in die Mitte der Gesellschaft
gefunden hat.

hinten, v.l.: David
Mühle, Frank Heitmeyer, Karl Finke, Dirk Bohlen,
Heinrich Niehaus
vorne, v.l.: Bernd Jeffré Andrea Borrmann, Erik
Machens
Dazu
beigetragen hat auch die von der HAZ unterstützte
Sportlerwahl des BSN, die bei ihrer mittlerweile
elften Auflage wieder mehr als 20 000 Niedersachsen
zum Votum für ihren Favoriten oder ihre Favoritin
animierte. Wie groß die Wertschätzung für die
Leistungen aller Behindertensportler ist, zeigt auch
ein Blick auf die Gästeliste. Erstmals war Hannovers
Oberbürgermeister zu Gast im GOP, der Sportfan
Stephan Weil würdigt damit den Beitrag, den auch die
Athleten mit Handicap für die „Sportstadt“ leisten.
Und da auch noch ein Paar aus einem Verein der
Landeshauptstadt ganz vorn landete, durfte der
höchste Repräsentant ohnehin nicht fehlen.
Einen ermutigenden Beweis von Kontinuität für den
BSN bietet die Schirmherrschaft des
niedersächsischen Ministerpräsidenten für die
Sportlerwahl. David McAllister trat auf diesem Felde
gern in die Fußstapfen des Vorgängers Christian
Wulff. Für den heutigen Bundespräsidenten war die
BSN-Gala stets der „schönste Termin des Jahres“.
Berührungsangst bleibt ein Fremdwort für Tänzer.
Deshalb ließen sich Borrmann und Machens zu einem
Siegertänzchen überreden. Und zeigten bei ihrer
feurigen Samba auf dem Parkett, dass es zu zweit
auch viel mehr Spaß macht.