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Leichtathletik-WM der
Behinderten
Leichtathletik WM: Leichtathleten in Indien angekommen
Steffi Nerius erstmalig offiziell im Team

Die Leichtathletik Nationalmannschaft der
Amputierten/Les Autres und Rollstuhlfahrer ist bei den IWAS
Weltspielen in Indien eingetroffen. Während es für die meisten
Sportarten Worldgames sind, tragen die Leichtathleten
Weltmeisterschaften aus, bei denen allerdings wichtige Nationen
fehlen. Aussichtsreichste Starter im deutschen Team sind Mathias
Mester (Leverkusen), Marianne Buggenhagen (Berlin), Martina Willing
(Brandenburg) und Wojtek Czyz (Kaiserslautern).
Kurz vor dem Abflug musste Ulrich Iser auf Grund einer akuten
Erkrankung seine Teilnahme absagen, so dass das Deutsche Team nun
mit 18 Athletinnen und Athleten vertreten ist. Die Wettkämpfe
beginnen am Mittwoch, den 25. November 2009. Bundestrainer Willi
Gernemann hat vier Neulinge nominiert, somit sind ca. 20% des Teams
Nachwuchsathleten, die teilweise schon bei der Junioren WM gestartet
sind.
Orthopädiemechaniker im Team Erstmalig ist mit Thomas Kipping auch
ein Orthopädiemechaniker im Team, der sich um die Prothesen und auch
um die Rollstühle kümmert, was Bundestrainer Willi Gernemann sehr
begrüßt: „Nachdem ich bei einem Wettkampf in Münster gesehen habe,
wie wichtig ein Orthopädiemechaniker sein kann, haben wir diese
Neuerung eingeführt, schließlich haben wir zahlreiche amputierte
Athleten dabei, die auf ihre Prothesen angewiesen sind.“
Marion Peters und Sven Reuter beim
Klassifizierungsseminar Mit Marion Peters (Blocktrainerin Rollstuhl
Schnellfahren) und Sven Reuter (Physiotherapeut) haben zwei
Teammitglieder am Basislehrgang für Klassifizierer teilgenommen, der
im Rahmen der Worldgames stattgefunden hat. Geleitet wurde das
Seminar von Dr. Helmut Hoffmann, dem ehemaligen Mannschaftsarzt der
Amputierten und zugleich IWAS-Chefklassifizierer. Willi Gernemann:
„Es ist wichtig, dass wir Fachleute in unseren Reihen haben, die
zuverlässige Aussagen in Bezug auf die Klassifizierung geben
können.“ Beide werden bei der Klassifizierung der Sportler
hospitieren.
Nachwuchs hoch motiviert
Mit David Behre (23), Markus Rehm (21), Nick Weihs (17) und Vanessa
Low (19) stehen vier hoch motivierte Athleten aus dem Bereich
Sprint/Sprung vor ihrem ersten Einsatz im Nationalteam. Die junge
Vanessa Low ist ein Phänomen. Als Doppeloberschenkelamputierte tritt
sie im Weitsprung und über 100m an. Die drei männlichen
Nachwuchsathleten treffen über 100m und 200m aufeinander. Außerdem
sind alle drei für die 4 x 100m Staffel nominiert.
Neben den Athleten ist erstmalig auch Steffi Nerius
als Blocktrainerin Wurf in offizieller Funktion im Team. Die
Speerwurfweltmeisterin von Berlin griff im Stadion wieder zum Speer.
Diesmal jedoch versuchte sie sich im Wurfstuhl von Martina Willing
und konnte nach einigen Probewürfen, die mehrfache
Paralympicssiegerin übertreffen.
Durchgangsstation auf dem Weg nach Neuseeland
Bundestrainer Willi Gernemann sieht die IWAS WM als
Durchgangsstation auf dem Weg zur WM in Neuseeland im Januar 2011.
„Unsere Nachwuchsathleten können hier wichtige internationale
Erfahrungen sammeln. In Neuseeland wird es deutlich schwieriger,
Nachwuchsathleten im Team zu integrieren.“ Zum anderen ist es
wichtig, dass sich die Athletinnen und Athleten zu einem für sie
ungewöhnlichen Wettkampfzeitpunkt gute Ergebnisse erzielen. In
erster Linie zählen für uns die Leistungen und weniger die
Medaillen.“
Bericht von den Wettkämpfen:
Einen Auftakt nach Maß erwischten Deutschlands
Leichtathleten bei der IWAS -WM in Bangalore/Indien. 6 x Gold, 1 x
Silber und 2 x Bronze standen am Ende des ersten Tages auf der
Habenseite des Teams von Bundestrainer Willi Gernemann.
Einmal mehr war Verlass auf das Erfolgsduo Marianne Buggenhagen (SC
Berlin) und Martina Willing (SC Stahl Brandenburg). Die Athletinnen
vom Berliner Blocktrainer Bernd Mädler waren am ersten Wettkampftag
nicht zu stoppen und
gewannen in ihren beiden Diskuswettbewerben mit großem Vorsprung die
Goldmedaille. Gold sicherte sich auch Hochspringer Reinhold Bötzel (NBS
Nienburg). Er setzte sich mit 1,81m deutlich gegen die Konkurrenz
durch.
Im Sprint der unterschenkelamputierten Frauen siegte Katrin Green
(Bayer 04 Leverkusen) in der neuen deutschen Rekordzeit von
13,62sec. Ihre Vereinskollegin Astrid Höfte steigerte ihre
persönliche Bestzeit auf 14,07sec und belegte Rang 3. Die 5.
Goldmedaille gab es für Jana Schmidt (LV Waren - Müritz). Sie siegte
über 100m in 17,77sec vor der deutschen
Weitsprunghoffnung Vanessa Low, die als Zweitplatzierte ihre
Bestzeit auf 17,80 sec steigerte.
Im Diskuswerfen der Frauen verteidigte Michaela Floeth (Bayer 04
Leverkusen) ihren Titel von Taipeh. Mit 37,69m stellte sie eine neue
Saisonbestleistung auf. Selbst ihre größte Konkurrentin, die
Chinesin Yajuan Jin, konnte der Leverkusenerin nicht Paroli bieten.
Platz 3 erreichte auch Kugelstoßer Frank Tinnemeier (Bayer 04
Leverkusen),der seine erste internationale Medaille gewann.
Mit David Behre, Markus Rehm (beide Leverkusen) und Nick Weihs
(Ludwigslust) haben gleich drei unterschenkelamputierte
Nachwuchs-Sprinter das Finale am morgigen Donnerstag erreicht.
Besonders erfreulich ist die Tatsache, dass David Behre (12,05sec)
und Nick Weihs (12,23sec) neue persönliche Bestzeiten erzielten.
Hinter dem Brasilianer Oliveira haben alle drei Medaillenchancen.
Im 100m Sprint in der Startklasse T54 hatte Rollstuhl-Schnellfahrer
Marc Schuh mit der fünftschnellsten Vorlaufzeit ebenfalls das Finale
erreicht.
Nicht zufrieden stellend ist die Organisation in Bangalore. Die
Wettkampforganisation lässt in vielen Bereichen sehr stark zu
wünschen übrig. Hierbei ist besonders die fehlende Erfahrung der
Kampfrichter spürbar, auch die Versorgung der Trainer und Betreuer
mit Informationen ist sehr mangelhaft. Vorbereitende, kleinere
Wettkämpfe wären unbedingt notwendig gewesen, um die
Wettkampforganisation zu testen. Trotz der widrigen Umstände ist die
Stimmung in der Nationalmannschaft sehr gut,
keiner ist verletzt.
2.Tag
Nach ihrem Sieg im Diskuswerfen gewann Marianne
Buggenhagen (SC Berlin) am zweiten Wettkampftag im Speerwurf mit
einer Weite von 16,32m Bronze. Deutschlands Leichtathleten knüpften
damit am zweiten Tag der IWAS WM in
Bangalore/Indien nahtlos an die guten Ergebnisse vom Vortag an. Zum
Auftakt der Wettbewerbe gab es in der Startklasse der
Oberschenkelamputierten einen Doppelsieg für Wojtek Czyz und
Heinrich Popow. Czyz siegte mit neuem Europarekord von 12,26 sec vor
dem Leverkusener, der mit 12,29 sec seinerseits eine persönliche
Bestleistung aufstellte.
Im mit Spannung erwarteten 100m Wettbewerb der
Unterschenkelamputierten musste sich der Leverkusener Behre mit
persönlicher Bestzeit von 11,66 sec dem Favoriten Olivera (BRA)
geschlagen geben. Die beiden anderen deutschen
Nachwuchsläufer Markus Rehm und Nick Weihs mussten das Rennen
vorzeitig beenden. Dennoch darf man mit ihrem Debüt zufrieden sein.
Das Highlight aus deutscher Sicht war der
Weitsprung der Startklassen 42 und 44 und dies nicht, weil die drei
Medaillen alle ans deutsche Team gingen. Zunächst hatte Astrid Höfte
mit 4,95m einen neuen Deutschen Rekord aufgestellt. Im gleichen
Durchgang konnte Katrin Green den gerade aufgestellten Rekord erneut
verbessern und schob sich mit 4,98m auf Platz 2.
Newcomerin Vanessa Low übertrumpfte ihre Kolleginnen nochmals,
stellte mit 3,92m einen neuen Weltrekord in der Klasse der
Oberschenkelamputierten auf und gewann Gold.
Zum Abschluss des Tages war es Mathias Mester vorbehalten, seinen
Titel im Diskuswerfen zu verteidigen. Der Athlet von Steffi Nerius
übernahm gleich zu Beginn des Wettkampfes die Führung und gab diese
bis zum Ende nicht mehr ab.
In dritten Versuch steigerte er sich auf die Siegesweite von 30,74m.
Dies bedeutete zugleich die siebte Medaille für die deutsche
Mannschaft am zweiten Wettkampftag der WM.
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